Europa vereinfacht die Regeln für den ökologischen Landbau – weniger Bürokratie, hohe Standards bleiben bestehen

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben sich auf eine gemeinsame Verhandlungsposition zur Überarbeitung der Vorschriften für die ökologische Produktion und die Kennzeichnung von Bio-Produkten geeinigt. Die Entscheidung wurde im Sonderausschuss Landwirtschaft getroffen. Ziel ist es, die bestehenden Regeln einfacher in der Anwendung, klarer in der Auslegung und besser an die Realität in der landwirtschaftlichen Praxis anzupassen.

Mit diesen Änderungen will der Rat der Europäischen Union weder das Wesen des ökologischen Landbaus verändern noch die Qualitätsstandards senken. Im Gegenteil: Die hohen Standards, die Bio-Produkte aus der Europäischen Union auf dem Markt auszeichnen, sollen erhalten bleiben, während gleichzeitig der Verwaltungsaufwand für Landwirte, Verarbeiter, Händler und nationale Behörden reduziert wird.

Maria Panayiotou, Ministerin für Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Umwelt der Republik Zypern, betonte, dass der ökologische Landbau ein strategischer Faktor für Europas Ernährungssysteme, die Biodiversität und die Entwicklung ländlicher Räume sei.

„Die Mitgliedstaaten wollen Regeln, die einfacher, klarer und besser an die Realität vor Ort angepasst sind, ohne dabei die hohen Standards und das Vertrauen der Verbraucher zu gefährden, auf denen der Erfolg des europäischen Bio-Sektors beruht“, erklärte sie.

Eine der wichtigsten Neuerungen betrifft kleine Erzeuger und Händler. Vorgesehen ist eine Vereinfachung der Zertifizierungsverfahren sowie bestimmte Ausnahmen für kleinere Marktteilnehmer. Kleine Online-Händler, die bereits verpackte Bio-Produkte verkaufen, könnten unter klar definierten Bedingungen von Teilen der Zertifizierungspflichten befreit werden. Ziel ist es, Familienbetrieben und kleineren Unternehmen den Zugang zum Markt zu erleichtern.

Wichtige Änderungen betreffen auch den Import von Bio-Produkten aus Drittstaaten. Nach dem neuen Vorschlag dürfen Produkte aus Ländern, deren Bio-Systeme als gleichwertig mit den EU-Standards anerkannt sind, das EU-Bio-Logo nicht mehr automatisch verwenden. Dies wird nur dann möglich sein, wenn zusätzliche Produktions- und Kontrollanforderungen erfüllt werden.

Gleichzeitig wurde ein früherer Vorschlag der Europäische Kommission abgelehnt. Dieser sah vor, dass Produkte mit bis zu fünf Prozent Zutaten aus Drittstaaten, die zusätzliche Kriterien nicht erfüllen, dennoch das EU-Bio-Label tragen dürfen.

Die neuen Maßnahmen bringen außerdem vorübergehende Flexibilität in der Tierhaltung und Aquakultur. Während einer Übergangsphase wird eine begrenzte Verwendung von nicht-biologischem Eiweißfutter für Geflügel und Schweine erlaubt sein. Auch in der Aquakultur sind bestimmte zeitlich begrenzte Ausnahmen vorgesehen. Diese Regelungen sollen jedoch schrittweise auslaufen.

Um Marktstörungen zu vermeiden, dürfen Produkte, die bereits nach den bisherigen Regeln gekennzeichnet wurden, weiterhin verkauft werden, bis die vorhandenen Bestände aufgebraucht sind. Damit sollen Rechtssicherheit und Kontinuität im Handel gewährleistet werden.

Der nächste Schritt sind Verhandlungen zwischen dem Rat der Europäischen Union und dem Europäisches Parlament. Ziel ist eine endgültige Einigung noch vor Jahresende, da das derzeitige Anerkennungssystem für Drittstaaten am 31. Dezember 2026 ausläuft.

Der ökologische Landbau wächst in Europa weiter. Nach Angaben der Europäischen Kommission gibt es derzeit mehr als 381.000 Bio-Landwirte in der Europäischen Union – ein Anstieg von rund 30 Prozent im Vergleich zum Jahr 2018.

Für Serbien, das seine Bio-Produktion und seine Exporte in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut hat, senden diese Änderungen ein wichtiges Signal: Der europäische Markt bleibt anspruchsvoll, wird aber gleichzeitig transparenter und berechenbarer.

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