Im Herzen der Waadtländer Alpen brachte der Salon des Alpages 2026 Viehhalter, Hirten, Käseproduzenten und Berggemeinden zusammen. Im Mittelpunkt stand eine entscheidende Frage: Wie lassen sich die traditionelle Weidewirtschaft und die wirtschaftliche Zukunft der Landwirtschaft in den Alpen sichern? Alpine Agriculture besuchte Les Diablerets und entdeckte eine Veranstaltung, bei der landwirtschaftliche Traditionen auf aktuelle wirtschaftliche und ökologische Herausforderungen treffen.
Vom 9. bis 11. Oktober 2026 fand im Schweizer Bergdorf Les Diablerets im Kanton Waadt die 13. Ausgabe des Salon des Alpages statt. Die Veranstaltung widmete sich der Almwirtschaft, der Berglandwirtschaft und den Menschen, die unter anspruchsvollen Bedingungen Lebensmittel produzieren und die alpine Kulturlandschaft erhalten.
Anders als bei großen internationalen Landwirtschaftsmessen standen hier weder leistungsstarke Maschinen noch Produktionsrekorde im Vordergrund. Im Mittelpunkt standen die Landwirte, Hirten und regionalen Gemeinschaften, deren Arbeit die Bewirtschaftung der Alpen überhaupt erst ermöglichte.
Die diesjährige Ausgabe hatte eine besondere Bedeutung, da die Vereinten Nationen das Jahr 2026 zum Internationalen Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums erklärt haben.
Die Veranstalter stellten eine grundlegende Frage: Warum betrifft das Internationale Jahr des Hirtentums uns alle?
Mit Tiervorführungen, Käseverkostungen, Fachgesprächen und Bildungsangeboten zeigte die Veranstaltung, dass die Zukunft der Almen weit über die Interessen der Viehhalter hinausgeht.
Almen sind weit mehr als Weideflächen
In der Schweiz ist die saisonale Nutzung hochgelegener Weiden ein wesentlicher Bestandteil der traditionellen Viehwirtschaft.
Während der Sommermonate werden Rinder und andere Weidetiere auf höher gelegene Almflächen gebracht. Dort nutzen sie Gras und andere Pflanzen, die aufgrund der Höhenlage und der Geländebedingungen kaum für andere landwirtschaftliche Produktionsformen geeignet sind.
Gleichzeitig können die tiefer gelegenen Flächen für die Gewinnung von Heu und anderem Winterfutter genutzt werden.
Die Bedeutung der Almwirtschaft beschränkt sich jedoch nicht auf die Erzeugung von Milch und Fleisch.
Weidetiere tragen dazu bei, offene Berglandschaften zu erhalten, bestimmte Lebensräume zu schützen und die zunehmende Verbuschung von Grünlandflächen zu begrenzen.
Diese Leistungen sind allerdings mit erheblichem Arbeitsaufwand verbunden.
Die Landwirte müssen die Wasserversorgung sicherstellen, den Gesundheitszustand der Tiere überwachen, Zäune und Wege instand halten und in manchen Regionen Schutzmaßnahmen gegen große Beutegreifer organisieren.
Eine der wichtigsten Zukunftsfragen lautet deshalb: Wer wird diese anspruchsvolle Arbeit in den kommenden Jahrzehnten übernehmen?
Rinder aus dem Ormonts-Tal im Mittelpunkt
Am Sonntag, dem 11. Oktober, wurden Rinder aus dem Ormonts-Tal und den Waadtländer Alpen vorgestellt.
Die Besucher konnten dabei nicht nur die Tiere kennenlernen, sondern auch mit den Viehhaltern über die Besonderheiten der regionalen Landwirtschaft sprechen.
Anders als bei großen Zuchtwettbewerben, bei denen genetische Eigenschaften und Leistungsdaten häufig im Mittelpunkt stehen, zeigen solche regionalen Präsentationen auch die enge Verbindung zwischen den Tieren, den Betrieben und ihrer Umgebung.
In den Schweizer Alpen prägt der saisonale Wechsel zwischen Talbetrieben und Hochweiden seit Generationen das landwirtschaftliche Leben.
Die Rückkehr der Herden im Herbst wird in der französischsprachigen Schweiz als „Désalpe“ bezeichnet und gehört zu den bekanntesten Traditionen der Region.
Häufig werden die Kühe mit Blumen und großen Glocken geschmückt, wenn die Bauern nach mehreren Monaten auf den Sommerweiden in ihre Dörfer zurückkehren.
Der Salon des Alpages ist zwar keine reine Alpabzugsveranstaltung, trägt aber wesentlich dazu bei, das Wissen und die kulturellen Traditionen rund um diese Form der Tierhaltung zu bewahren.

Käse schafft Wertschöpfung für die Berglandwirtschaft
Die Käseherstellung zählt zu den wichtigsten wirtschaftlichen Aktivitäten der alpinen Viehwirtschaft.
Bergbetriebe haben häufig höhere Produktionskosten als landwirtschaftliche Unternehmen im Flachland. Steile Hänge, schwierige Zufahrten, kurze Vegetationsperioden und anspruchsvolle Arbeitsbedingungen begrenzen ihre Möglichkeiten.
Die Verarbeitung von Milch zu hochwertigen regionalen Käsespezialitäten ermöglicht es den Betrieben, einen größeren Teil der Wertschöpfung selbst zu erzielen.
In Les Diablerets konnten Besucher verschiedene regionale Produkte kennenlernen und an einem Käseverkostungswettbewerb teilnehmen.
Solche Veranstaltungen fördern nicht nur den Absatz regionaler Lebensmittel, sondern schaffen auch direkte Kontakte zwischen Verbrauchern, Landwirten und Käseproduzenten.
Direktvermarktung, traditionelle Käseherstellung und touristische Angebote können zusätzliche Einkommensmöglichkeiten eröffnen.
Gerade für Betriebe, die mit den Produktionsmengen großer Milchviehbetriebe im Flachland nicht konkurrieren können, ist die Qualität und Herkunft ihrer Produkte ein entscheidender wirtschaftlicher Vorteil.

Alpkäse ist deshalb weit mehr als ein Lebensmittel. Er verbindet Tierhaltung, Landschaft, Tradition und regionale Identität.
Schweizer und französische Hirten tauschen Erfahrungen aus
Die Ausgabe 2026 rückte auch Organisationen in den Mittelpunkt, die sich für die Unterstützung der Berglandwirtschaft einsetzen.
Zu den eingeladenen Organisationen gehörten Caritas Montagnards, das Programm Volontaires Montagne sowie eine Vereinigung französischer und schweizerischer Hirten.
Ihre Teilnahme verdeutlichte, wie wichtig Zusammenarbeit, praktische Unterstützung und der Austausch von Erfahrungen für den Erhalt der Landwirtschaft in Bergregionen sind.
Freiwilligenprogramme können Menschen, die sich engagieren möchten, mit landwirtschaftlichen Betrieben verbinden, die vorübergehend zusätzliche Arbeitskräfte benötigen.
Gleichzeitig erhalten Personen außerhalb der Landwirtschaft die Möglichkeit, den Alltag auf einem Bergbauernhof unmittelbar kennenzulernen.
Diese Verbindung zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft gewinnt an Bedeutung, da immer weniger Menschen direkten Kontakt zur Lebensmittelproduktion haben.

Die Zukunft der Weidewirtschaft: Arbeitskräfte, Klima und Generationenwechsel
Am Samstag, dem 10. Oktober, beschäftigten sich Fachgespräche mit den Herausforderungen der Weidewirtschaft im Rahmen des Internationalen Jahres der Weidelandschaften und des Hirtentums.
Die Probleme sind vielfältig: fehlende Arbeitskräfte, Schwierigkeiten bei der Hofnachfolge, wirtschaftlicher Druck, veränderte klimatische Bedingungen und das Zusammenleben mit Wildtieren.
In Regionen, in denen steile Hänge und kurze Vegetationsperioden den Ackerbau stark einschränken, bleibt die Weidetierhaltung eine der wichtigsten Möglichkeiten zur nachhaltigen Nutzung landwirtschaftlicher Flächen.
Damit diese Bewirtschaftungsformen erhalten bleiben, müssen die Betriebe jedoch wirtschaftlich tragfähig sein und attraktive Perspektiven für junge Menschen bieten.
Die Zukunft der Almwirtschaft hängt deshalb nicht allein von agrarpolitischen Maßnahmen ab. Ebenso wichtig sind neue Einkommensmöglichkeiten, zeitgemäße Arbeitsbedingungen und die Verbindung traditioneller Kenntnisse mit moderner Betriebsführung.
Kinder entdecken die Berglandwirtschaft
Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf der Bildungsarbeit.
Im Rahmen der Initiative „L’école à la ferme“, auf Deutsch „Schule auf dem Bauernhof“, nahmen Schulkinder aus der Region an einem Wettbewerb zum Thema Weidewirtschaft teil.
Die Preisverleihung fand am Sonntag nach der Tiervorführung statt.
Solche Programme helfen Kindern zu verstehen, woher ihre Lebensmittel kommen und welche Bedeutung die Landwirtschaft für die Erhaltung der Berglandschaften hat.
Durch Begegnungen mit Tieren, Einblicke in die Weidehaltung und Gespräche mit Landwirten entsteht ein unmittelbarer Bezug zur Lebensmittelproduktion.
Regionale Produkte, traditionelles Handwerk und alpine Gastfreundschaft
Während der Hauptveranstaltungstage konnten die Besucher Ausstellungen zu landwirtschaftlichen Techniken, traditionellen Handwerksberufen, regionalen Produkten und der Almwirtschaft erkunden.

Filmvorführungen vermittelten zusätzliche Einblicke in den Alltag von Hirten und Bergbauernfamilien.
Auch die regionale Gastronomie spielte eine wichtige Rolle. Ein Abendprogramm verband Live-Musik mit Raclette, einer der bekanntesten Schweizer Spezialitäten aus geschmolzenem Käse.
Der kostenlose Zugang zum Ausstellungsbereich ermöglichte es Familien und interessierten Besuchern, die Berglandwirtschaft ohne größere Eintrittskosten kennenzulernen.
Anstatt auf die Dimensionen einer internationalen Großmesse zu setzen, schuf der Salon des Alpages Raum für persönliche Begegnungen zwischen Landwirten, Verbrauchern und Berggemeinden.
Warum die Zukunft der Alpen von ihren Landwirten abhängt
Der Besuch in Les Diablerets zeigte, dass sich die Bedeutung einer landwirtschaftlichen Veranstaltung nicht allein an Aussteller- oder Besucherzahlen messen lässt.
Der Salon des Alpages stellte die Menschen, Tiere, Produkte und Landschaften in den Mittelpunkt, die das lebendige Erbe der Schweizer Alpen bilden.
Die Berglandwirtschaft trägt zur Lebensmittelproduktion bei, erhält Grünlandflächen, unterstützt die biologische Vielfalt und stärkt den Tourismus sowie regionale Traditionen.
Die entscheidende Herausforderung besteht darin, diese Wirtschaftsweise für kommende Generationen rentabel und attraktiv zu gestalten.
Alpine Weideflächen sind kein ungenutztes Land, das auf eine andere Verwendung wartet. Sie sind produktive Kulturlandschaften, die über Jahrhunderte durch landwirtschaftliche Arbeit entstanden sind.
Ihr Erhalt bedeutet deshalb weit mehr als den Schutz einer schönen Landschaft. Er bedeutet, die Zukunft jener Landwirte und Hirten zu sichern, die die Alpen bewirtschaften und lebendig halten.











