Gemüse von einer kommunalen Anbaufläche für Schulkantinen, mehr als 2.000 Kisten mit Biolebensmitteln, die jede Woche ausgeliefert werden, und Tierhaltungsbetriebe, die ihre Produktivität durch ein besseres Weidemanagement steigern. Diese Beispiele gehören zu den ausgezeichneten Projekten der fünften EU-Bio-Preise. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Fachwissen und einen verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen mit Absatzmöglichkeiten und den Bedürfnissen der Menschen vor Ort verbinden.
Die Europäische Kommission gab die Gewinner am 23. September anlässlich des EU-Bio-Tages bekannt. Aus mehr als 120 Bewerbungen kamen 21 Kandidaten aus zwölf Ländern in die engere Auswahl. Die sieben Auszeichnungen gingen an landwirtschaftliche Betriebe, Unternehmen und Kommunen aus Irland, Dänemark, Bulgarien, Österreich, Deutschland, Frankreich und Italien.
Die diesjährige Auswahl zeigt, wie wichtig für den Erfolg des Ökolandbaus auch die Schritte nach der Erzeugung sind: Verarbeitung, verlässliche Abnehmer, eine gut organisierte Lieferung und das Vertrauen der Verbraucher.
„Wenn ich durch Europa reise, begegne ich Landwirten und Unternehmern, die jeden Tag beweisen, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit Hand in Hand gehen können. Die Preisträger zeigen, was möglich ist, wenn Ehrgeiz, Innovation und Engagement zusammenkommen“, erklärte Christophe Hansen, EU-Kommissar für Landwirtschaft und Ernährung.
Weiden als Grundlage der Tierhaltung
Die Auszeichnung als beste Biolandwirtin erhielt Kay O’Sullivan aus Irland. Auf ihrer 63 Hektar großen Glynn Organic Farm hält sie Rinder und Schafe. Der Betrieb ist seit sechzehninhalb Jahren biozertifiziert.
Die Fütterung basiert auf Gras. Besonderes Augenmerk legt die Landwirtin auf artenreiche Grünlandbestände und die wöchentliche Messung des verfügbaren Grasaufwuchses. Dadurch kann sie die Beweidung genauer planen, die Produktivität verbessern und sowohl den Zukauf von Futtermitteln als auch die Emissionen reduzieren.
Ihr Wissen vermittelt sie in landwirtschaftlichen Arbeitskreisen, über soziale Medien und in der lokalen Presse. Auf ihrem Hof empfängt sie Berufskollegen, Studiengruppen und internationale Besucher. Tage der offenen Tür ermöglichen es Interessierten, sich unmittelbar vor Ort von den Ergebnissen zu überzeugen.
Als bester Biolandwirt wurde Hans Erik Joergensen aus Dänemark ausgezeichnet. Sein Betrieb Risbjerg Landbrug umfasst 350 Hektar und wird seit 19 Jahren ökologisch bewirtschaftet. Er verbindet die Haltung von Schweinen, Rindern und Legehennen mit einem vielfältigen Pflanzenbau.
Die Schweine werden auf der Weide gehalten, während abwechslungsreiche Fruchtfolgen und eine reduzierte Bodenbearbeitung die Bodengesundheit fördern. Sein Einsatz für Tierwohl und Bodenschutz geht mit der Unterstützung von Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf, Geflüchteten und Praktikanten einher. Der Betrieb wirkt an mehr als 50 Forschungs- und Entwicklungsprojekten mit und bringt praktische Erfahrungen in die Erprobung neuer Lösungen ein.
Verlässliche Absatzmärkte für lokale Erzeuger
Den Preis als bestes kleines oder mittleres Unternehmen in der Verarbeitung von Biolebensmitteln erhielt Bio Bulgaria, bekannt durch die Marke Harmonica. Das 2006 gegründete bulgarische Unternehmen beschäftigt 47 Menschen und bietet mehr als 30 Produkte an, die in Zusammenarbeit mit Partnerbetrieben hergestellt werden.
Für die örtlichen Bioerzeuger ist das Unternehmen vor allem durch stabile Absatzmöglichkeiten und kurze Lieferketten wichtig. Es setzt auf eine klar nachvollziehbare Herkunft, faire Handelsbeziehungen und erschwingliche Lebensmittel. Auch in Schulen und über die Medien macht es Biolebensmittel bekannter.
Wie wichtig eine gute Vertriebsorganisation ist, zeigt auch der deutsche Familienbetrieb Boßhammersch Hof, der als bester Biolebensmittelhändler ausgezeichnet wurde. Seit seiner Gründung im Jahr 1997 hat er ein Netzwerk aufgebaut, das heute 60 Biobetriebe mit Haushalten, Schulen und ländlichen Gemeinden verbindet.
Mit 44 Beschäftigten liefert das Unternehmen jede Woche mehr als 2.000 Kisten ohne Plastikverpackungen aus. Das Angebot umfasst saisonale Produkte, die überwiegend aus einem Umkreis von 100 Kilometern stammen. Eine App ermöglicht die Sendungsverfolgung und bietet Rezepte, die den Kunden die Verwendung der gelieferten Lebensmittel erleichtern.
Lebensmittel als Erlebnis und Lernangebot
Das österreichische Unternehmen Zotter Schokolade gewann den Preis in der Kategorie Biorestaurant und Bioverpflegung. Nach den Angaben zur Auszeichnung beschäftigt es 200 Menschen und bewirtschaftet 95 Hektar landwirtschaftliche Fläche nach nachhaltigen Grundsätzen.
Sein Restaurant folgt dem Prinzip „vom Hof auf den Tisch“ und verwendet unter anderem Fleisch aus der eigenen Tierhaltung. Besucher können sich über die Herkunft der Lebensmittel, die Produktionsmethoden und die Haltungsbedingungen der Tiere informieren.
Ein Kakaokino, ein Schokoladentheater und der „Essbare Tiergarten“ ergänzen das Angebot, das Ernährung, Bildung und Tourismus miteinander verbindet. Der direkte Kontakt zu den Verbrauchern schafft so zusätzliche Wertschöpfung rund um die landwirtschaftliche Produktion.

Ein kommunaler Gemüsegarten versorgt Schulküchen
Ein besonders interessantes Beispiel bietet die französische Gemeinde Cussac-Fort-Médoc mit ihren 2.326 Einwohnern. Sie wurde als beste Biostadt ausgezeichnet. In ihren Schulkantinen liegt der Anteil biologischer Produkte bei 50 Prozent, wozu ein eigener kommunaler Landwirtschaftsbetrieb beiträgt.
Auf einer 7.000 Quadratmeter großen Bioanbaufläche wird die Hälfte des frischen Gemüses erzeugt, das für täglich 230 Mahlzeiten benötigt wird. Nach der Projektbeschreibung funktioniert dieses Modell ohne Transport und Verpackungen sowie ohne zusätzliche Kosten.
Überschüsse gehen an die lokale Lebensmittelhilfe, Restaurants und Geschäfte. Das Beispiel zeigt, wie auch eine kleine Kommune landwirtschaftliche Erzeugung, die Ernährung von Kindern und die Unterstützung der Bevölkerung unmittelbar miteinander verknüpfen kann.
Sardinien vernetzt 2.600 Biounternehmen
Als beste Bioregion beziehungsweise bester Biodistrikt wurde Distretto Sardegna Bio in Italien ausgezeichnet. Der 2021 gegründete und größte italienische Biodistrikt erstreckt sich über ein Gebiet von 24.090 Quadratkilometern. Er umfasst 2.600 Biounternehmen und 184.000 Hektar ökologisch bewirtschaftete Agrarfläche.
Erzeuger, Verarbeiter und Verbraucher werden über lokale Lieferketten, öffentliche Beschaffung und Energiegemeinschaften im ländlichen Raum zusammengebracht. Der Biodistrikt unterstützt außerdem die Teilnahme an Förderaufrufen und Ausschreibungen, den Export sowie den Ausbau kurzer Lieferketten.
„Sich für den Ökolandbau zu entscheiden, bedeutet, in die Zukunft unserer Regionen zu investieren. Es ist ein Engagement für gesündere Böden, gesündere Lebensmittel und widerstandsfähigere ländliche Gemeinschaften, das zugleich die lokale Wirtschaft stärkt und neue Chancen für Landwirte und Bürger schafft“, betonte Kirstine Bille, Mitglied des Europäischen Ausschusses der Regionen.
Unterstützung muss sich an den Bedürfnissen der Landwirte orientieren
Neben der Würdigung erfolgreicher Projekte rückten bei der Preisverleihung auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Ökolandbaus in den Mittelpunkt. Copa-Vizepräsident Søren Søndergaard verwies auf zunehmend schwierige Märkte, klimatische Belastungen und eine Agrarpolitik im raschen Wandel.
„Die Zukunft des Ökolandbaus sollte um diejenigen herum gestaltet werden, die ihn betreiben. Landwirte brauchen die Instrumente, Marktchancen und verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen, um widerstandsfähig und wettbewerbsfähig zu bleiben“, erklärte er.
Nach Angaben der Europäischen Kommission sieht der Vorschlag für die Gemeinsame Agrarpolitik nach 2027 eine fortgesetzte Förderung des Ökolandbaus und von Innovationen vor. Dazu sollen auch die Forschung und der Europäische Wettbewerbsfonds beitragen.
Für Erzeuger in Serbien werfen diese Beispiele konkrete Fragen auf: Wie lassen sich regelmäßige Abnehmer gewinnen, mehrere Höfe zu einem gemeinsamen Angebot zusammenführen, lokale Verarbeiter einbinden und Schulen sowie Haushalte beliefern? Die Erfahrungen der Preisträger zeigen, dass der Ökolandbau mehr Wertschöpfung ermöglicht, wenn Erzeugung und Vermarktung gemeinsam geplant werden und die Zusammenarbeit langfristig angelegt ist.





