Kartoffelsektor in der Krise – Rückgang der Produktion, steigende Preise, Italien auf Importe angewiesen

Rimini, 19. Mai 2025 – Die globale Kartoffelproduktion steht an einem Wendepunkt. Der Klimawandel, neue Pflanzenkrankheiten und Schädlinge gefährden die Erträge und führen weltweit zu einem Produktionsrückgang und erheblich steigenden Preisen. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse des Internationalen Kartoffelsymposiums, das im Rahmen der Macfrut-Messe in Rimini stattfand und über 400 Fachleute versammelte.

Laut Veranstaltungskoordinator Luciano Trentini werden weltweit rund 375 Millionen Tonnen Kartoffeln pro Jahr produziert – zu wenig, um die wachsende Nachfrage zu decken. „Italien ist nicht selbstversorgend und importiert bis zu 50 % seines Bedarfs vor allem aus Frankreich, aber auch aus Deutschland und dem Mittelmeerraum“, so Trentini.

Diskutiert wurden unter anderem agronomische Herausforderungen wie der Drahtwurm (Agriotes spp.), die bakterielle Krankheit Ralstonia solanacearum (auch für Tomaten gefährlich) und das invasive Unkraut Cyperus esculentus (Erdmandel), das inzwischen als Quarantäneorganismus gilt.

Ein zentrales Thema war die Organisation der Produktion. Die EU hat eine neue Gemeinsame Marktorganisation (GMO) für Kartoffeln eingeführt, nach dem Vorbild von Obst und Gemüse. Italien ist bislang das einzige Land, das diese Regelung umgesetzt hat, was den Weg für Investitionen in Innovationen und Modernisierung ebnet.

Weltweit führend in der Produktion ist China mit 95 Millionen Tonnen, gefolgt von Indien und der Ukraine. In der EU dominieren Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Polen und Belgien. Dennoch ist die Durchschnittsproduktion in den letzten fünf Jahren gesunken, was die Verbraucherpreise nach oben treibt.

In Italien liegt der Fokus auf Qualität statt Masse. Sechs regionale Sorten besitzen eine geschützte Ursprungsbezeichnung. Neue Sorten wie ‚Fiorella‘ (mit dreimonatiger Keimruhe) reduzieren die Lagerbehandlung. Die Sorte ‚Morisa‘ – eine Kreuzung mit der französischen Sorte ‚Gazelle‘ – bringt bis zu 50 Tonnen pro Hektar.

„Obwohl die italienische Kartoffelproduktion als Nischenmarkt gilt, könnten Kartoffeln bei breiterer Nutzung einen wesentlichen Beitrag zur weltweiten Bekämpfung von Hunger leisten“, betont Trentini.

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