Die Kirschsaison 2026 entwickelt sich in weiten Teilen Europas mit deutlich höheren Erträgen, einer besseren Marktversorgung und sinkenden Preisen. Nach den wetterbedingten Produktionsausfällen im Jahr 2025 melden viele Erzeugerländer eine deutliche Erholung der Ernte, während der zunehmende Wettbewerb unter den Exporteuren den europäischen Markt neu ordnet.
Laut dem aktuellen FreshPlaza Global Market Overview haben günstige Witterungsbedingungen auf der Nordhalbkugel in den meisten Anbaugebieten zu guten Erträgen geführt. Gleichzeitig beeinträchtigten lokale Hitzewellen, Hagel und andere Wetterereignisse einzelne Regionen, während sich die Exportnachfrage je nach Absatzmarkt unterschiedlich entwickelt.
In Italien sind die Großhandelspreise im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Nach der Knappheit im Jahr 2025 liegen die Preise nun zwischen 2 und 5 Euro pro Kilogramm, nachdem sie im Vorjahr noch 5 bis 10 Euro erreichten. Die frühe Sorte Bigarreau erlitt erhebliche Verluste, während spätere Sorten trotz der starken Konkurrenz aus der Türkei und Griechenland gute Ergebnisse erzielten.
Auch in Frankreich gerieten die Preise unter Druck, nachdem während der Haupternte im Juni große Mengen auf den Markt kamen. Die Produktion wird auf rund 30.800 Tonnen geschätzt. Damit liegt sie zwar leicht unter dem Vorjahresniveau, aber weiterhin über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.
Deutschland erwartet eine der stärksten Kirschernten der vergangenen zehn Jahre. Die Produktion soll rund 40.300 Tonnen erreichen. Trotz der guten Ernte stehen die Erzeuger unter zunehmendem Preisdruck, insbesondere durch die starke Konkurrenz aus der Türkei.
Spanien hatte mit Hitzewellen und Unwettern zu kämpfen, wodurch der Anteil an Früchten der Premiumklasse zurückging und die marktfähigen Erträge mehrerer Sorten sanken.
Die Türkei verzeichnete dagegen eine ausgezeichnete Saison mit hohen Erträgen in allen Anbaugebieten. Europa bleibt der wichtigste Exportmarkt, während die Nachfrage aus Asien hinter den Erwartungen zurückblieb. Die reichliche Ernte trug zu stabilen Exportpreisen bei und stärkte die Wettbewerbsfähigkeit türkischer Kirschen auf dem europäischen Markt.
Außerhalb Europas erwartet der US-Bundesstaat Washington eine gute Ernte, während Michigan nach Spätfrösten Ernteverluste von bis zu 50 Prozent hinnehmen muss. Südafrika baut seine Kirschindustrie weiter aus und steigert die Exporte um 111 Prozent. Chile diversifiziert seine Exportmärkte zunehmend, da die Nachfrage in China nachlässt. Gleichzeitig sind die Preise für importierte US-Kirschen in China innerhalb einer Woche um 30 bis 40 Prozent gefallen.
Obwohl Serbien in der FreshPlaza-Analyse nicht berücksichtigt wurde, zeigen offizielle Daten, dass sich das Land von der schwierigen Saison 2025 erholt. Die Kirschproduktion ging im vergangenen Jahr aufgrund von Spätfrösten nach einer ungewöhnlich frühen Blüte um 27 Prozent zurück. Das serbische Landwirtschaftsministerium erwartet für 2026 eine deutliche Erholung der Produktion, sofern keine weiteren extremen Wetterereignisse auftreten.
Insgesamt tritt der weltweite Kirschmarkt in eine Phase intensiveren Wettbewerbs ein. Höhere Erntemengen verbessern die Versorgung, doch Fruchtqualität, effiziente Logistik und der Zugang zu Exportmärkten bleiben die entscheidenden Faktoren für die Wirtschaftlichkeit der Erzeuger.
Quellen: FreshPlaza – Global Market Overview: Cherries; Ministerium für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Wasserwirtschaft der Republik Serbien.





