Frankreich eröffnet seinen ersten Beeren-Campus: Ein neues Wissenszentrum verändert die Zukunft der Beerenproduktion

In Albens, am Fuß der Savoyer Alpen, entsteht eines der anspruchsvollsten agronomischen Projekte Europas. Das Unternehmen Fruits rouges & Co hat dort den „Beeren-Campus“ eröffnet — ein einzigartiges Zentrum in Frankreich, das Forschung, Produktion und energetische Nachhaltigkeit miteinander verbindet. Der frühere Produktionsstandort wurde in ein hochmodernes Freiluftlabor verwandelt, in dem jeder Schritt der Beerenproduktion gemessen, überwacht und ausgewertet wird.

Thomas Magnien, der jahrelang selbst an diesem Standort produziert hat und heute die agronomische Produktion des Unternehmens leitet, erklärt den Zweck des Campus: ein Ort zu sein, an dem das reale Verhalten von Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren und Johannisbeeren unter identischen Bedingungen getestet werden kann. „Wir wollten uns nicht auf Theorie verlassen. Wir brauchten ein System, das Sorten, Substrate, Dünge- und Bewässerungsstrategien sowie Pflanzenschutzmethoden objektiv vergleichen kann — und Ergebnisse liefert, die allen Erzeugern nutzen“, sagt er.

Das Herzstück des Campus ist ein ein Hektar großer Gewächshauskomplex mit agrivoltaischem Dach. Die darüber installierten Solarpaneele erzeugen Strom, sorgen aber zugleich für diffuses Licht und kontrollierten Schatten, was besonders empfindlichen Kulturen zugutekommt. Das Forschungsteam erfasst Temperatur, Lichtintensität, Luftfeuchtigkeit, Verdunstungsrate und viele weitere Parameter, um das optimale Verhältnis von Schatten und Licht zu bestimmen. Alle Daten fließen in eine zentrale Datenbank ein, die künftig als Referenz für die gesamte Branche dienen soll.

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts ist die Entwicklung neuer Substrate. Da Europa sich zunehmend von Torf verabschiedet, testet der Campus Mischungen aus Kokosfasern, pflanzlichen Strukturen, mineralischen Matrices und neuen biologischen Materialien, die Wasser speichern, gute Durchlüftung ermöglichen und ein einheitliches Wachstum fördern. Über zwanzig unterschiedliche Produktionssysteme werden gleichzeitig untersucht, um jene Lösungen zu identifizieren, die den stabilsten Fruchtqualitätsverlauf bieten.

Der Campus strebt auch Wasserautonomie an. Regenwasser wird über die Solarpaneele gesammelt und in unterirdischen Tanks gespeichert. Abflusswasser der Bewässerung wird gefiltert, kontrolliert und wiederverwendet. Ziel ist ein Betrieb ohne jegliche Nutzung von Trinkwasser — ein entscheidender Fortschritt für Kulturen wie Himbeeren und Heidelbeeren, die stark unter Trockenstress leiden.

Auch die Logistik und die Nachernte-Technologie sind Teil der Entwicklung. Das Unternehmen, das während der Saison mehr als 500 Beschäftigte in Frankreich, Spanien und Marokko zählt, möchte eine gleichbleibende Qualität über das ganze Jahr hinweg sichern. Dafür müssen Produktion, Verpackung und Transport absolut präzise abgestimmt sein.

Bereits jetzt zieht das Projekt viele Erzeuger an, die die neuen Technologien vor Ort kennenlernen wollen. In den nächsten Jahren wird der Campus ihnen Daten zur Verfügung stellen, die bei der Ernteplanung, der Risikominimierung und der Marktpositionierung entscheidend sein können.

„Wir möchten, dass dieser Campus die Geburtsstätte einer neuen Generation von Beerenproduktion wird“, betont Magnien. „Wenn wir eine stabile und nachhaltige europäische Versorgung wollen, müssen wir alte Gewohnheiten ablegen und auf präzise Messungen statt auf Vermutungen setzen.“

Für Frankreich, das seine heimische Produktion von Heidelbeeren und Himbeeren stärken möchte, stellt dieser Campus einen wichtigen Schritt dar.
Der Beeren-Campus in Savoyen soll ein Ort werden, an dem Wissenschaft und Praxis gemeinsam arbeiten — zum Vorteil der gesamten Branche.

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