Wie tausende Imker in Österreich zu wissenschaftlichen Partnern wurden – von der Bienenkiste ins Labor
Wissenschaftliche Forschung findet längst nicht mehr nur in Labors statt. In Österreich haben Imker eine zentrale Rolle in einem der größten nationalen Forschungsprojekte zu Honigbienen übernommen. Das Projekt Zukunft Biene vereinte Hobby- und Berufsimker in einer einzigartigen Zusammenarbeit, um wichtige Daten zur Bienengesundheit zu sammeln, zu dokumentieren und zu analysieren.
Statt Imker lediglich als Beobachter und Wissenschaftler als Analytiker zu betrachten, verschmolz dieses Projekt beide Rollen in einem Modell der Citizen Science – der Bürgerwissenschaft. Die Ergebnisse sprechen für sich.
Zwei Welten, ein Ziel
Mehr als fünftausend Imker aus ganz Österreich beteiligten sich über mehrere Jahre hinweg an der Erhebung von Winterverlusten. Sie lieferten regelmäßig Daten über die Anzahl der eingewinterten und verlorenen Völker, die Methoden der Varroabekämpfung, die Trachtbedingungen, die Höhenlage ihrer Stände und das Alter der Königinnen.
Diese Informationen ermöglichten es Forschern, repräsentative und aussagekräftige Daten zu gewinnen – etwas, das durch reine Laborarbeit kaum erreichbar gewesen wäre. Gleichzeitig erhielten die Imker Rückmeldungen, Auswertungen und konkrete Handlungsempfehlungen. So wurde die Qualität der Imkerei im ganzen Land nachhaltig gesteigert.
Wissenschaft hautnah
Ein zentraler Bestandteil des Projekts war die sogenannte Beobachtungsstudie. Etwa 200 Imkereien wurden über mehrere Saisonen hinweg begleitet. Fachleute führten Vor-Ort-Besuche durch, entnahmen Proben von Bienen, Brut und Bienenbrot – immer in enger Abstimmung mit den Imkern.
Dadurch konnten wertvolle Erkenntnisse über die Verbreitung von Krankheiten wie Varroose, Amerikanische und Europäische Faulbrut, Nosemose und verschiedene Viren wie das Flügeldeformationsvirus (DWV) gewonnen werden. Und das Beste: Diese Daten verschwanden nicht in Fachzeitschriften, sondern flossen direkt in praxisnahe Empfehlungen, Schulungen und Informationsmaterialien ein.
Warum funktioniert das?
Das Geheimnis liegt im Vertrauen. Die Imker waren nicht nur Teilnehmer – sie waren Partner. Ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Motivation machten das Projekt tragfähig und authentisch. Die Wissenschaft wiederum öffnete sich, verließ den Elfenbeinturm und suchte den Dialog mit der Praxis.
Im Jahr 2017 wurde das Projekt mit dem renommierten Austrian Citizen Science Award ausgezeichnet – ein Zeichen für die hohe Relevanz dieser kooperativen Forschungsform.
Ein Modell für die Zukunft
Obwohl es hier um Bienen geht, ist die Botschaft viel umfassender. Angesichts des Klimawandels, des Rückgangs der Artenvielfalt und zunehmender Umweltbelastungen können Lösungen nur im Zusammenspiel von Wissenschaft und Praxis entstehen. Der Imker als Wissenschaftler ist keine Ausnahme – sondern ein Modell mit Zukunft für eine nachhaltige Landwirtschaft und den Schutz unserer Ökosysteme.





